Warum ist Schnellfahren gefährlich?
Wirkung von Kräften.
- Bewegungsenergie.
- Lageenergie.
- Geschwindigkeit.
- Bremsverzögerung.
- Bremsweg.
- Aufprallwucht.
|
- Bei doppelter Geschwindigkeit vervierfacht
sich nicht nur der Bremsweg, sondern auch die kinetische Energie, die
im Falle eines Aufpralls absorbiert werden muss.
- Im Jahr 2003, fanden in Luxemburg 53 Personen bei
Verkehrsunfällen den Tod; davon 22 durch überhöhte
Geschwindigkeit.
|
|
Geschwindigkeit beeinflusst den Anhalteweg.
Schnellfahrer gefährden sich und andere Verkehrsteilnehmer.
Fazit: Schnellfahren ist unlogisch.
Trotzdem fahren viele zu schnell.
Warum?
Schülerunterlagen
... nur ein paar km/h zu schnell?
Werden Sie bei einer Geschwindigkeitskontrolle angehalten, sagen oder denken Sie vielleicht auch:
„ ... nur ein paar km/h zu schnell und ich muss zahlen. Andere fahren viel schneller und kommen ohne Buße davon.“
Diese „paar km/h“ können aber – zum Beispiel für Fußgänger – den
Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten. Denn die
Wahrscheinlichkeit, dass ein Fußgänger bei einem Unfall getötet wird,
steigt mit der Geschwindigkeit:
Natürlich macht es auch für sie selbst einen gewaltigen Unterschied, ob
Sie eine Kollision mit 20 km/h oder mit 40 km/h haben. Denn
bei doppelter Geschwindigkeit vervierfacht sich nicht nur der Bremsweg,
sondern auch die Wucht des Aufpralls.
Reaktionsweg
Frühzeitiges Erkennen und Wahrnehmen von Gefahrensituationen sind
Voraussetzungen für eine schnelle Reaktion. Der Reaktionsweg spielt
deshalb eine so bedeutende Rolle, weil auf dieser Strecke keine
Geschwindigkeit abgebaut wird.
Bis das menschliche Gehirn eine Gefahr registriert, dauert es in der
Regel mindestens eine Sekunde. Innerhalb dieser „Schrecksekunde“ fährt
man bei
Die zugrundegelegte Reaktionsdauer von 1 Sekunde gilt jedoch nur für
einen Verkehrsteilnehmer in guter körperlicher Verfassung. Alkohol,
Medikamente, Drogen, telefonieren, Stress, Euphorie, Ablenkung oder
laute Musik verlängern die Reaktionszeit und somit auch den
Reaktionsweg.
Bremsweg
Die Strecke vom Ansprechen der Bremsen bis zum Stillstand des Fahrzeugs wird als Bremsweg bezeichnet.
Bremsvorgang
Beim Bremsen wird Bewegung verlangsamt oder ganz aufgehoben. Hinter
dieser banalen Feststellung verbergen sich aber ziemlich komplizierte
Vorgänge der Kraftübertragung durch Reibung.
Um ein Fahrzeug in Bewegung zu setzen und zu beschleunigen, ist
physikalisch gesehen Arbeit notwendig. Ein großer Teil dieser Arbeit
bleibt während der Fahrt im Fahrzeug gespeichert, man spricht deshalb
hier auch von der gespeicherten Bewegungsenergie, der kinetischen
Energie. (siehe „Fiche pédagogique“ zum Thema Kinetische Energie)
Beim Bremsvorgang wird diese Bewegungsenergie durch Reibung in Wärme umgewandelt.
Die mögliche "Verzögerung", d. h. der Abbau der Geschwindigkeit wird in
Metern pro Sekunde innerhalb 1 Sekunde gemessen. Sie hängt auch von der
Reibungszahl ab. Der Verzögerungswert liegt normalerweise zwischen 1
und 9 m/s2.
Für die Bremswegberechung eines Pkws wird nach dem heutigen Stand der
Technik angenommen, dass ein geübter Fahrer auf trockener Fahrbahn
durch richtiges Bremsen eine Verzögerung von mindestens 8 m/s2
erreicht.
Interessant ist sicher auch, dass das "Gewicht" des Fahrzeugs nicht in die Bremswegformel eingeht.
Berechnen wir mit Hilfe dieser Formel den Bremsweg, so erhalten wir für bei
Die Grafik zeigt eindeutig, wie sich bei doppelter Geschwindigkeit der Bremsweg vervierfacht!
Für ein sicheres Abbremsen wäre es ideal, wenn alle vier Räder eines
Autos etwa gleich stark belastet würden. Beim Bremsen verlagert sich
aber gemäß Trägheitsgesetz das Gewicht des Fahrzeuges nach vorne und
führt zu einer Belastung der Vorderräder und Entlastung der
Hinterräder. Dieses Phänomen der "dynamischen Radlastverschiebung"
tritt bei allen Fahrzeugen auf, selbst am Fahrrad. Vielfach nutzen
BMX-Fahrer dieses Gesetz für ihre Kunststücke aus, um z.B. mit dem
Hinterrad, in die Luft zu gehen.
Am Auto ist die Verschiebung aufgrund der Federung mit bloßem Auge
erkennbar: Der Bug des Fahrzeuges senkt sich und das Heck hebt sich.
Die starke
Entlastung der Hinterachse würde aber zu einem vorzeitigen
Blockieren der Hinterräder und somit zum Ausbrechen des Hecks
führen.
Moderne Bremsanlagen werden daher so gebaut, dass es erst zu einem
Blockieren der Vorderräder kommt. Zusätzliche Sicherheit bieten
Anti-Blockier-Systeme (ABS), die ein Blockieren der Räder verhindern,
wodurch der Wagen lenkbar bleibt.
Anhalteweg
Die Strecke, die ein Fahrzeug zwischen dem Auftauchen einer Gefahr bis
zum Stillstand des Fahrzeuges zurücklegt wird als Anhalteweg
bezeichnet. Dieser setzt sich zusammen aus Reaktionsweg und Bremsweg.
Seine Länge wird bestimmt:
- vom Reaktionsvermögen und der Bremstechnik des Fahrers,
- von der Wirksamkeit der Bremsen,
- vom Zustand der Reifen und der Fahrbahn,
- von der Geschwindigkeit des Fahrzeuges.
Die folgende Tabelle und Grafik zeigt die Anhaltewege für die gleichen
Geschwindigkeiten, die wir für die Berechnung des Bremsweges verwendet
haben (Bremsverzögerung des Fahrzeugs: 8 m/s2).
Bei niedrigen Geschwindigkeiten ist der Reaktionsweg größer als der Bremsweg.
Bei 60 km/h sind Reaktionsweg und Bremsweg praktisch identisch.
Aufprallgeschwindigkeit
Die Aufprallgeschwindigkeit oder Restgeschwindigkeit (vr) gibt an,
welche Geschwindigkeit das Fahrzeug im Moment des Aufpralls auf ein
Hindernis noch hat. Dabei ist der Reaktionsweg, bei dem noch keine
Geschwindigkeitsabnahme erfolgt, und der noch mögliche Bremsweg bis zur
Unfallstelle zu berücksichtigen. Der noch
mögliche Bremsweg ist die Differenz aus dem Weg bis zum Hindernis (sh)
und dem Reaktionsweg (sr).

(1) Heine Adolf, Prommersberger Hans, Physik und Technik - Handwerk und Technik, Hamburg, 1999 , Seite 232
Bei einer, innerhalb von geschlossenen Ortschaften, zulässigen
Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h bemerken Sie 26 m vor Ihnen ein Kind,
das seinem Ball hinterher auf die Fahrbahn läuft.
Sie bremsen.
Bis Ihr Fahrzeug zum Halten kommt, benötigen Sie: 13,89 m Reaktionsweg + 12,06 m Bremsweg = 25,95 m Anhalteweg
Gerade ein paar Zentimeter bleiben zwischen Ihnen und dem Kind!
Schon bei einer Geschwindigkeit von 55 km/h (Anhalteweg 29,87 m) hätten
Sie Ihr Fahrzeug nicht mehr rechtzeitig vor dem Kind zum Halten
gebracht.
Sie hätten das Kind mit einer Aufprallgeschwindigkeit von 28,32 km/h angestoßen.
Denken Sie an die Aufprallgeschwindigkeit!
Was wenigen Menschen bekannt ist:
- Die Aufprallgeschwindigkeit nimmt gewaltig zu, sobald man nur wenige km/h schneller fährt.
- Ihre Chance zu Überleben nimmt dagegen rapide ab.
Bei einer Aufprallgeschwindigkeit von 60 km/h beträgt die
Überlebenswahrscheinlichkeit von Fußgängern bei einem Verkehrsunfall
nur noch 28,7 %.
Worauf Sie achten sollten!
Mehr Tempo → erhöhte Aufprallgeschwindigkeit, größeres Unfallrisiko.
Verstauen Sie größere Gegenstände am besten im Kofferraum Ihres
Fahrzeugs, damit Sie sich und andere nicht gefährden. Denn bei einem
Unfall können Regenschirm, Autoatlas, usw. zu einer großen Gefahr für
Fahrer und Mitfahrer werden:
- Regenschirme stechen wie ein Dolch.
-
Flaschen zersplittern wie Granaten.
Bei zu hoher Geschwindigkeit nützt auch kein ABS
Das Antiblockiersystem (ABS) ist eine der wichtigsten
sicherheitstechnischen Einrichtungen, mit der mittlerweile fast alle
Fahrzeuge ausgestattet sind. Allerdings verkürzt ABS nicht unbedingt –
wie viele meinen – den Bremsweg. Der wichtigste Effekt besteht darin,
dass bei einer Vollbremsung die Räder nicht blockieren und das Auto
lenkbar bleibt. Wenn allerdings kein Raum zum Ausweichen vorhanden ist,
kann auch ABS folgenschwere Zusammenstöße nicht verhindern.
Tempo mit Risiko
Die meisten Autofahrer wissen, dass Geschwindigkeiten, die nicht den
Verkehrs- oder Witterungsverhältnissen angepasst sind, durchaus
risikoreich sind. Dieses Risiko wird jedoch oft in Kauf genommen, nach
dem Motto: „Mich trifft es schon nicht!“
Würden sich die Betroffenen dadurch „nur“ selbst gefährden, könnte man
sagen, das sei ihre Sache. Leider ist es aber für
geschwindigkeitsbedingte Unfälle typisch, dass andere schwere Schäden
erleiden.
In fast allen europäischen Ländern gelten auch Höchstgeschwindigkeiten
auf Autobahnen. In Deutschland gibt es allerdings Autobahnen ohne
Geschwindigkeitsbegrenzungen – ein Paradies nicht nur für deutsche
Raser! Allerdings sollte in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen
werden, dass auf diesen Autobahnen eine Richtgeschwindigkeit von 130
km/h gilt. Fahrer, die diese Geschwindigkeit überschreiten, müssen bei
einem Unfall damit rechnen, dass ihnen eine Teilschuld zugewiesen wird,
auch wenn sie den Unfall nicht verursacht haben.
Bleifuß lohnt sich nicht
Wer mit Bleifuß fährt hat keinen deutlichen zeitlichen Vorteil. Denn
trotz zahlreicher Geschwindigkeitsspitzen wird das Durchschnittstempo
durch Phasen mit zähflüssigem Verkehr oder Staus gedrückt. Die
Auswirkungen auf ihren Geldbeutel und die Umwelt sind dagegen klar:
Wer schnell fährt, verbraucht mehr Sprit und verursacht damit einen höheren Schadstoffausstoß.
Was Sie tun können
- Sorgen Sie dafür, dass Sie immer ein ausreichendes Zeitpolster haben.
Versuchen Sie nicht verlorene Zeit wieder aufzuholen. Bei der heutigen
Verkehrsdichte hat jeder Verständnis dafür, dass Sie ausnahmsweise mal
zu spät kommen.
- Vermeiden Sie Routine auf dem Schul- respektiv Arbeitsweg.
Fahren Sie die tägliche Strecke so, als ob Sie es das erste Mal tun.
Denn die Verkehrs- und Witterungsverhältnisse können sich von heute auf
morgen drastisch ändern.
- Unterlassen Sie „erzieherische Maßnahmen“.
Versuchen Sie nicht, andere durch „erzieherische Maßnahmen“ – wie
Antippen des Bremspedals oder absichtliches Blockieren der linken Spur
– am Schnellfahren zu hindern. Das kann zu gefährlichen Aggressionen
und dadurch zu Unfällen führen.
- Lassen Sie „Drängler“ vorbei.
Wenn Sie sich bedrängt fühlen, lassen Sie den „Drängler“ vorbei.
Souveräne Fahrer haben es nicht nötig, sich anderen zu beweisen.
Strafen für Raser
Gesetzliche Bestimmungen in Luxemburg
(Code de la route, Artikel 11bis, Paragraph 3 )
Überschreitung der erlaubten Geschwindigkeit .....
innerhalb von Ortschaften < 15 km/h
auf Landstraßen < 20 km/h
auf Autobahnen < 25 km/h |
49 € |
0 |
Überschreitung der erlaubten Geschwindigkeit .....
innerhalb von Ortschaften > 15 km/h
auf Landstraßen > 20 km/h
auf Autobahnen > 25 km/h |
145 € |
2 |
| „Délit de grande vitesse“ |
251 – 5000 €
(plus Kosten für das Gerichtsverfahren)
und / oder
Gefängnisstrafe
(8 Tage - 1 Jahr)
|
4 |
|
Als „Délit de grande vitesse“ wird der Verstoß angesehen, bei dem gleichzeitig die beiden folgenden Bedingungen erfüllt sind:
- Die Geschwindigkeitsüberschreitung mindestens 50 %
der erlaubten maximal Geschwindigkeit
beträgt. (Der
festgestellte Unterschied muss auf jeden Fall größer als 20 km/h sein.)
- Ein Rückfall (eine neue schwerwiegende
gebührenpflichtige Verwarnung wegen Geschwindigkeitsüberschreitung)
der innerhalb von 12 Monaten, nach einer ersten schwerwiegenden
gebührenpflichtigen Geschwindigkeitsüberschreitung, eintritt.
Zur Information
| 30 km/h |
> 50 km/h |
| 50 km/h |
> 75 km/h |
| 75 km/h |
> 112 km/h |
| 90 km/h |
> 135 km/h |
| 110 km/h |
> 165 km/h |
| 130 km/h |
> 195 km/h |
|
Schülerarbeiten
Die große Bedeutung von Tempo 30 für die Sicherheit
Das auf der ersten Seite dargestellte Bild soll verdeutlichen, wie
entscheidend der Faktor Geschwindigkeit in einem Wohnviertel ist, wo
die maximal erlaubte Geschwindigkeit auf 30 km/h limitiert ist:
- Der Fahrer, der mit einer Geschwindigkeit von 30 km/h unterwegs ist, kann noch vor dem Fußgänger anhalten.
- Fährt er allerdings mit einer
Ausgangsgeschwindigkeit von 50 km/h, so kracht er mit einer
Restgeschwindigkeit von 48 km/h in den Fußgänger.
- Bei 70 km/h hat der Fahrer keine Chance mehr zu
reagieren, sondern erst nachdem das Unglück schon geschehen ist.
Vervollständige die untenstehende Tabelle, für die nachfolgenden Verkehrssituationen:
- Gefahr in 15 m
- Bremsverzögerung 7,0 m / s2
- Reaktionszeit 1,0 s
Lehrerunterlagen
Zu den Schülerarbeiten
Die große Bedeutung von Tempo 30 für die Sicherheit
Die für die verschiedenen Geschwindigkeiten ausgefüllte Tabelle:
| 30 |
8,33 |
13,29 |
- |
| 50 |
13,89 |
27,67 |
47,95 |
| 70 |
19,44 |
46,43 |
70 |
|
Literaturverzeichnis
Zur Erstellung der vorliegenden „Fiche pédagogique“ wurden folgende Unterlagen herangezogen:
- Bader Franz, Dorn Friederich, Physik -
Mittelstufe
Schroedel Schulbuchverlag GmbH, Hannover, 1998
- DVR, ... nur ein paar km/h zu
schnell?
Deutscher Verkehrssicherheitsrat e.V., Bonn, 2000
- Heine Adolf, Prommersberger Hans, Physik und
Technik
Handwerk und Technik, Hamburg, 1999
- Kirchhoff Wolfgang, Online und
Offline
Deutsche Verkehrswacht e.V., Meckenheim, 1998
- Ministère du Transport, Permis à
points
Ministère du Transport, Luxemburg, 2002