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- Subjektive Einschätzung und Wahrnehmung von Risiken sind kein reines Abbild der objektiven Risikoverhältnisse.
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> Fiches pédagogiques
> Formation morale et sociale
> Risiko und Risikoverhalten
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Risiko und Risikoverhalten
- Persönliche Verantwortung in und vor der Gesellschaft.
- SchülerInnen sollen sich bewusst machen, welche Risiken sie in ihrem Alltagsleben eingehen.
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- Verantwortungsethik aller Verkehrsteilnehmer fördern.
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SchülerInnen sollen wissen:
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Was beeinflusst meine Wahr-nehmung und Einschätzung von Risiken?
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Warum unterschätzen wir oft Risiken?
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Was ist Risiko?
Von Risiko lässt sich ganz allgemein immer dann sprechen, wenn der
Ausgang eines Ereignisses bzw. eines Handelns ungewiss ist, das
Ergebnis also mehr oder weniger offen ist, wobei es nicht darauf
ankommt, ob in der subjektiven Sicht des Handelnden eine Offenheit des
Ausganges besteht.
Mit Risikoverhalten bezeichnet man üblicherweise das Verhalten in
Entscheidungssituationen, also in Situationen, in denen mehrere
Handlungsalternativen bestehen, die aber in mehrfacher Hinsicht durch
Unsicherheiten gekennzeichnet sind.
Auch das Verhalten im Straßenverkehr
lässt sich als Risikoverhalten betrachten. Verkehrsverhalten ist
Entscheidungsverhalten in Situationen, in denen potentielle
Möglichkeiten für das Entstehen von Unfällen bestehen.
Diese Möglichkeiten existieren immer, auch wenn sie vom
Verkehrsteilnehmer nicht als solche wahrgenommen werden. Es handelt
sich um objektiv bestehende Gefahren. Daher spricht man auch vom
objektiven Risiko in Abgrenzung vom sogenannten subjektiven Risiko,
oder auch wahrgenommenen Risiko.
Eine dritte Größe ist das akzeptierte Risiko, also dasjenige Risiko, das man bewusst einzugehen bereit ist.
Risikoverhalten beim Autofahren ist schon seit langer Zeit zentraler
Gegenstand verkehrspsychologischer Forschung. Die ermittelten Befunde
zeigen, dass das Risikoverhalten vom Verhältnis zwischen wahrgenommenem
und akzeptiertem Risiko abhängig ist, wobei diese Risikogrößen
ihrerseits von Fähigkeiten, Kenntnissen, Erfahrungen, Einstellungen,
Motiven, Gefühlen und situativen Bedingungen beeinflusst werden.
Das Risiko im Straßenverkehr ist speziell für junge Fahranfänger
besonders groß. Ihre hohe Unfallbelastung ist das Ergebnis mehrerer
Einflussgrößen.
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Jugendtypische Einstellungen und Motive.
Diese können sich z. B. in Erprobungsverhalten, Imponiergehabe und Auslebenstendenzen ausdrücken.
- Höhere Risikobereitschaft.
Es kann als gesichert gelten, dass bei vielen jungen Menschen
(keineswegs bei allen) eine vergleichsweise höhere Risikobereitschaft
vorhanden ist, als bei älteren Menschen.
Sogenannte Extramotive (z. B. Fahren, um Spaß zu erleben, oder
konsumatorische Aspekte stehen beim Fahren im Vordergrund) können die
freiwillige Übernahme höherer Risiken bei der Verkehrsteilnahme fördern.
- Geringere subjektive Risikoeinschätzung.
Die in einer Situation vorliegenden Hinweise, die das Vorhandensein von
Gefahr anzeigen, werden oft nicht als solche erkannt. Wegen ihrer
Unerfahrenheit sind Fahranfänger weniger in der Lage, Gefahren
frühzeitig wahrzunehmen, und ihre Sensibilität für problematische
Situationsentwicklungen befindet sich in der Entwicklungsphase.
- Freizeitaktivitäten.
Junge Menschen sind im Rahmen ihrer Freizeitaktivitäten oftmals unter
risikoerhöhenden Begleitumständen im Straßenverkehr unterwegs, z.B.
Fahren in Gruppen und während der Dunkelheit.
- Schlechtes Beispiel von Erwachsenen.
Sehr oft verleitet das flegelhafte Benehmen von Erwachsenen im Straßenverkehr Jungendliche zur Nachahmung.
Schülerunterlagen
Wahrnehmung und Einschätzung von Risiken
1. Wie gefährlich ist das Gefährliche wirklich?
“The risks that kill you, are not necessarily the risks that anger and frighten you.” (Sandmann, P. M.: Risk communication: Facing public outrage, Environmental Protection Journal, 1987)
Wie lassen sich folgende Beobachtungen erklären?
Welche der auf der nächsten Seite beschriebenen Aussagen können in
Zusammenhang mit nachfolgend aufgeführten Phänomenen eine Rolle spielen?
- Als Mitfahrer haben viele Menschen Angst. Diese verschwindet aber,
wenn sie selbst am Steuer sitzen und objektiv weit gefährlichere
Verhaltensweisen an den Tag legen.
- Herr und Frau X fliegen in getrennten Flugzeugen, damit ihre Kinder
nicht Vollwaisen werden. Mit dem Auto fahren sie aber gemeinsam, obwohl
Autofahren objektiv gefährlicher ist als Fliegen.
- Es wird über den Ausstieg aus gefährlichen Technologien diskutiert.
Warum nicht mit derselben Intensität über den Ausstieg aus dem
motorisierten Straßenverkehr?
- Viele Autofahrer fahren - nachdem sie eine Unfallstelle passiert
haben - für eine gewisse Zeit langsamer, danach aber wieder so schnell
wie vorher.
- Viele Menschen sorgen sich über Pestizide in Nahrungsmitteln oder
Nitrate im Trinkwasser, fahren aber mit hoher Geschwindigkeit auf der
Autobahn.
- Jährlich sterben ca. 61 Menschen im Straßenverkehr Luxemburgs
(Mittelwert der letzten 9 Jahre). Das entspricht mehr als drei
Flugzeugunfällen pro Jahr, wie Luxemburg eines am 6. November 2002
erlebt hat. Wer würde sich dann noch in ein Flugzeug setzen? In den
Straßenverkehr begeben wir uns aber mit großer Selbstverständlichkeit.
- Im Durchschnitt kommen wöchentlich 1,2 Menschen auf den Straßen in
Luxemburg ums Leben. In der Öffentlichkeit wird dies kaum wahrgenommen.
Sterben jedoch bei einem Unfall (z. B. eines Tankwagens) mehrere
Menschen, wird darüber umfangreich in den Medien berichtet.
- Die überwältigende Mehrheit der Autofahrer hält sich für
überdurchschnittlich gut. Sie hat einen unrealistischen Optimismus
(„Ein Unfall kann mir nicht passieren“). Jährlich erfasst die Polizei
aber mehr als 8000 Straßen-verkehrsunfälle.
Einflussgrößen auf die Beurteilung von Risiken und Gefahren.
Bei der persönlichen Beurteilung von Gefahren und Risiken spielt eine
Reihe von Einflussgrößen eine Rolle. Die Ergebnisse entsprechender
Untersuchungen lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:
- Je besser ein Unglücksfall erinnert bzw. vorgestellt werden kann,
für desto größer wird die Wahrscheinlichkeit gehalten, dass ein
ähnliches Unglück eintreten wird.
- Risiken werden für schlimmer gehalten, wenn
Sterbewahrscheinlichkeiten angegeben sind. Werden hingegen
Überlebenswahrscheinlichkeiten mitgeteilt, werden diese Risiken für
weniger bedrohlich gehalten.
- Das Risiko einer Technik oder Tätigkeit wird dann höher
eingeschätzt, wenn sie das Potential zur Verursach-ung von Unfällen mit
vielen Verletzten bzw. Todesfällen hat. Treten hingegen die Todesfälle
einzeln auf, wird das Risiko für niedriger gehalten.
- Risiken, die einen selbst betreffen, werden höher eingeschätzt als Risiken, von denen andere betroffen sind.
- Freiwillig eingegangene Risiken werden weniger kritisch gesehen und
eher akzeptiert als Risiken, denen man unfreiwillig ausgesetzt ist.
- Tätigkeiten, bei denen man die Höhe des Risikos kontrollieren zu
können glaubt (z. B. beim Bergsteigen, beim Autofahren) werden für
weniger gefährlich gehalten, als wenn man sich Gefahren ohne eigene
Kontrollmöglichkeiten ausgeliefert fühlt.
- Risiken werden stärker gewichtet, wenn sie einem Verursacher
zugeschrieben werden können. Schadensfälle, die keinem Schuldigen
zugeschrieben werden können (z. B. Erdbeben, andere Naturkatastrophen),
werden eher als unvermeidbar angesehen und beunruhigen weniger.
Handlungen werden dann für riskanter gehalten, wenn man glaubt, dass
man in den Augen anderer für eventuell ein-tretende negative
Handlungsfolgen verantwortlich ist.
- Schadensfälle in relativ neuen und unvertrauten Technologien werden
als Vorboten noch größerer und katastrophaler Folgen aufgefasst.
Unfälle in altbekannten und herkömmlichen technischen Systemen haben
keine solche Signalwirkung. Sie beunruhigen daher weniger.
2. Risikostatistiken
Durch einen Blitzschlag umzukommen ist 1000mal unwahrscheinlicher, als
beim Motorradfahren zu verunglücken. Noch 5mal größer ist das Risiko,
an Krebs zu sterben.
Der Größenvergleich beruht auf Daten aus den USA und aus Deutschland.
Fragen an die Schüler
Die obenaufgeführte Grafik beinhaltet Statistiken zu Risiken
verschiedener Tätigkeiten (Beruf, Arbeit, Fortbewegen, Gewohnheiten,
Ernährung, Laster, ....), und lässt sich unter folgenden
Fragestellungen behandeln:
- Welchen Stellenwert nehmen Unfälle im Vergleich zu anderen Todesursachen in den Risikostatistiken ein?
- Welche Risiken finden in der öffentlichen Diskussion / in den Medien
Ihrer Meinung nach eine eher größere Beachtung, welche eine eher
geringere?
Welche
Risiken beunruhigen die Bevölkerung in stärkerem, welche in geringerem
Maße?Entspricht das Maß dieser Aufmerksamkeit der tatsächlichen
Bedeutung der Risiken in den objektiven Statistiken? Wo gibt es Übereinstimmungen, wo nicht? Wie sind sie zu erklären?
- Für wie gefährlich und riskant müsste der Straßenverkehr gehalten werden, wenn man die Statistiken der Grafik zugrunde legt?
Wird der Straßenverkehr Ihrem Eindruck nach im öffentlichen Bewusstsein
im Vergleich zu anderen Risiken eher unterschätzt, eher überschätzt
oder angemessen beurteil? Woran liegt das?
- Welche Tätigkeiten im eigenen Leben stellen Risiken dar?
Lehrerunterlagen
Beim vorliegenden Themenblock „Wahrnehmung und Einschätzung von
Risiken“ geht es zum einen um die Verbesserung der Wahrnehmung von
Gefahren (Gefahrenkognition und -antizipation).
Allgemeines Ziel besteht in einer Erhöhung der sogenannten subjektiven
Risikoeinschätzung. Es soll das Bewusstsein gestärkt werden, dass
(motorisierte) Verkehrsteilnahme eine objektiv gefährliche Tätigkeit
ist.
Außerdem geht es darum aufzuzeigen, dass die subjektive
Risikoeinschätzung des Menschen kein wahres Abbild der tatsächlichen
objektiven Risikoverhältnisse ist, sondern von einer Vielzahl
verzerrender Einflussgrößen abhängt, zu denen auch die biologischen
Leistungsgrenzen (Sinnesorgane) des Menschen zählen. Dadurch soll die
Bereitschaft gestärkt werden, seiner eigenen (Risiko- )Wahrnehmung
gegenüber misstrauisch zu sein.
SchülerInnen sollen ferner angeregt werden, sich ihre eigene
Risikoexposition vor Augen zu führen um sich bewusst zu machen, welche
risikoerhöhenden und -reduzierenden Bedingungen bei ihrer
Verkehrsteilnahme bestehen. Wesentliches Anliegen ist es, Möglichkeiten
der Risikominderung mit SchülerInnen zu besprechen.
Anmerkungen für den Lehrer
Zu Punkt 1: „Wie gefährlich ist das Gefährliche wirklich?“
Bei der subjektiven Beurteilung und Einschatzung von Risiken spielen
die objektiven Risikoverhältnisse - also die
Eintrittswahrscheinlichkeit eines unerwünschten Ereignisses (z. B.
Unfall) und die Schadenshöhe (Verletzung, Tod) - oft nur eine
untergeordnete Rolle. Ob ein Risiko als hoch oder niedrig eingeschätzt
wird, ob man es akzeptiert oder es verdrängt, hängt nicht nur von
objektiven Zahlen und Fakten ab (z. B. dem Fahrer bekannte
Statistiken), sondern auch sehr stark von Glauben, Ängsten und
Wünschen. Als wichtig für die Risikobeurteilung haben sich erwiesen (in
Anlehnung an Jungermann H. und Slovic P.:
Charakteristika individueller Risokowahrnehmung, Risiko ist ein
Konstrukt, Bayerischer Rück, München 1993):
- Die Auffälligkeit oder mentale Verfügbarkeit des Ereignisses.
Die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Ereignisses wird für um so größer
gehalten, je besser ein ähnliches Ereignis vorgestellt oder erinnert
werden kann, d.h. gute und schlechte persönliche Erfahrungen spielen
mit.
- Beispiel: Kurz nachdem Autofahrer eine Unfallstelle passierten, fahren sie für eine gewisse Zeit langsamer .
-
Darstellungsweise der Folgen.
Die Risikobeurteilung fällt anders aus, wenn die möglichen Folgen des
Ereignisses als Gewinne (z.B. Überlebenswahrscheinlichkeit) oder
Verluste (z.B. Sterbewahrscheinlichkeit) dargestellt werden.
- Katastrophenpotential
Das Risiko einer Technik bzw. einer Tätigkeit wird dann höher
eingeschätzt, wenn sie das Potential zur Verursachung von Unfällen mit
vielen Verletzten bzw. Todesfällen hat. Treten Todesfälle hingegen
einzeln auf, wird das echte Risiko nicht in dem Maße wahrgenommen.
- Beispiel: lm Durchschnitt kommen pro Woche 1,2 Menschen im
Straßenverkehr in Luxemburg ums Leben, die tödlichen Unfälle werden
kaum zur Kenntnis genommen. Kommen bei einem Unfall (z. B.
Massenkarambolage im Nebel) viele Menschen ums Leben, wird breit über
das Ergebnis berichtet.
- Persönliche Betroffenheit
Risiken, denen man selbst ausgesetzt ist (z. B. wenn man im Winter
seinen Wagen selbst über schneebedeckte und eisglatte Fahrbahnen
steuern muss), werden höher eingeschätzt. - Freiwilligkeit
Freiwillig eingegangene Risiken (z. B. als Fahrer) werden weniger
kritisch gesehen und eher akzeptiert als Risiken, denen man
unfreiwillig ausgesetzt ist (z. B. als Beifahrer). - Kontrollierbarkeit
Ist man der Überzeugung, einen persönlichen Einfluss auf die Höhe des
Risikos zu haben, (z. B. beim Autofahren, beim Bergsteigen), dann hält
man sich für weniger gefährdet. Demgegenüber werden solche Aktivitäten
und Systeme, denen man sich ausgeliefert fühlt (z. B. Industrieanlagen
in der Wohnumgebung, Pestizide in Lebensmitteln usw.) für riskanter und
weniger akzeptabel gehalten. - Verantwortlichkeit
Risiken werden stärker gewichtet, wenn ein Verursacher wahrgenommen
wird. Auch für das Verhalten des Einzelnen ist die Verantwortlichkeit
für die Handlungsfolgen von Bedeutung. Man neigt dazu, Handlungen zu
vermeiden, für deren negative Folgen man in den Augen der anderen
verantwortlich ist, auch wenn das Risiko des Nicht-Handelns für die
anderen objektiv größer ist. - Signalpotential
Unfälle und Schadensereignisse können unterschiedlich starke
Signalwirkung haben. Vor allem wenn es sich um Schadensfälle in relativ
neuen und unvertrauten Technologien handelt (z. B. Gentechnologie,
Chemieproduktion), ist die Signalwirkung hoch. Demgegenüber haben
Unfälle in altbekannten, jedermann mehr oder weniger vertrauten
Techniken kaum eine solche Signalwirkung (z.B. Zugunglück; Unfälle
eines Tanklastzuges).
Mögliche Antworten zu „Wie lassen sich folgende Beobachtungen erklären?“
- e, f
- c, f
- c, h
- a
- e, f, h
- c, f
- c
- c, e, f
Literaturverzeichnis
Zur Erstellung der vorliegenden „Fiche pédagogique“ wurden folgende Unterlagen herangezogen:
-
Geiler Michael, Risiko und Risikoverhalten
Deutsche Verkehrswacht e.V., Meckenheim, 1998
- Jungermann H., und Slovic P., Charakteristika individueller Risikowahrnehmung, Risiko ist ein Konstrukt
Bayerischer Rück, München 1993
- Klingholz Rainer, Risiko
GEO Wissen Nr. 1, März 1992
- Sandmann P. M., Risk communication: Facing public outrage
Environmental Protection Journal, November 1987
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