Medikamente im Straßenverkehr
- Medikamentensucht
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Die Einnahme von Arznei-mitteln führt zu Verhaltens-änderungen.
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- Die SchülerInnen über die Wirkungen und die Folgen der Medikamenteneinnahme bei Autofahrern informieren.
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Eine fachkundige Beratung über Dosierung und Aus-wirkungen von
Medikamenten ist für eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr
unerlässlich.
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Bei der Einnahme von Medikamenten sollte man grundsätzlich auf Alkohol verzichten.
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Viele Medikamente beeinträchtigen die Fahrtüchtigkeit.
Zusammen mit Alkohol oder anderen Drogen können sich unvorhersehbare Wirkungen ergeben, deshalb:
Für alle Medikamente gilt die Eigenverantwortlichkeit.
Lesen Sie bei Einnahme von Arzneimitteln immer den Beipackzettel und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.
Schülerunterlagen
Mit Medikamenten aus der Spur
Immer häufiger sollen „Happymacher“, Schmerztabletten oder
Schlafpillen helfen, den Alltag zu meistern. Über die Folgen für
Autofahrer ist den meisten aber zu wenig bekannt. Zwar muss jeder
eigenverantwortlich beurteilen, ob er noch Auto fahren kann oder nicht,
aber Unwissenheit schützt bekanntlich vor Strafe nicht.
Wie kann man die Wirkung von Medikamenten richtig einschätzen?
Einen gesetzlichen Grenzwert, den man nicht überschreiten darf (vgl.
Alkohol), gibt es nicht. Bei Arzneimitteln helfen also weder Zeit- noch
Mengenangaben, die Aufschluss darüber geben, wann es wie gefährlich
wird.
Die Deutsche Verkehrswacht geht davon aus, dass jeder vierte Unfall
von Medikamenten direkt oder indirekt mitbeeinflusst wird. Bei
Patienten und Ärzten mangelt es oft an Informationen über die möglichen
Folgen von Medikamenten(-missbrauch) am Lenkrad. Und welcher Arzt oder
Apotheker nimmt sich schon die Zeit, bei einem verordneten Medikament -
und erst recht bei einem frei verkäuflichen - von sich aus auf die
Risiken für Autofahrer hinzuweisen. Auch die Beipackzettel sagen in der
Regel nicht, wie gravierend die Nebenwirkungen sein können, wie stark
ein Medikament die Sehschärfe, das Reaktionsvermögen, die Motorik oder
auch das Entscheidungs- vermögen außer Gefecht setzen kann.
Welche Medikamente bergen Gefahren ?
Zu den in Frage kommenden und grundsätzlich auf das Nervensystem wirkenden Produkten zählen insbesondere:
- Schlaf- und Beruhigungsmittel
- Rheuma- und Schmerzmittel
- Mittel gegen Diabetes (Antidiabetika)
- Mittel gegen Bluthochdruck und Herzkreislauferkrankungen
- Mittel mit Wirkung auf seelische Verfassung (Antidepressiva, Psychopharmaka)
- Mittel gegen Allergien (Antiallergische Mittel)
- Mittel gegen epileptische Anfälle (Antiepileptika)
- Aufputschmittel resp. Muntermacher (Stimulanzien)
- Narkosemittel
- Mittel gegen Reise- und Erkältungskrankheiten
- Mittel gegen Augenerkrankungen und zur Augenuntersuchung
- Schlankheitsmittel
- Mittel gegen Muskelverspannungen
- Mittel gegen Magen-Darm-Geschwüren
- Langzeitbehandlung mit Cortison
Wie wirken Medikamente ?
Mitunter haben Arzneimittel neben den erwünschten auch unerwünschte
Wirkungen. So können beispielsweise rund ein Fünftel aller Medikamente,
die sich derzeit auf dem Markt befinden, das Reaktionsvermögen
beeinträchtigen. Und das kann besonders im Straßenverkehr gefährliche
Folgen haben: Jeder vierte Unfall ist direkt oder indirekt auf die
Einnahme von Arzneimitteln zurückzuführen. Leider sind jedoch nur
wenige Verbraucher darüber informiert. Umfragen haben ergeben, dass 80
Prozent aller Verkehrsteilnehmer, die Medikamente einnehmen, nicht
wissen, dass ihre Fahrtüchtigkeit dadurch beeinflusst werden kann.
Ob ein Medikament die Verkehrstüchtigkeit beeinträchtigt, hängt von verschiedenen Faktoren ab.
Wichtig ist zum Beispiel, wie der Körper das Präparat aufnimmt.
Dabei spielen Alter, Geschlecht, Körperbau und Gewicht eine
entscheidende Rolle. Aber auch Grunderkrankungen, Dosierung und Einnahme weiterer Medikamente sind von Bedeutung.
Manche Präparate schränken die Fahrtüchtigkeit nur kurz nach der Einnahme ein, andere wiederum über einen längeren Zeitraum.
Deshalb ist es wichtig, die Arzneimittelgruppen zu kennen, bei denen Vorsicht geboten ist.
Schmerzmittel
Starke Schmerzmittel können zu Benommenheit oder extremen Stimmungsschwankungen führen. In einigen Fällen verengen sich die Pupillen, wodurch besonders das Sehen im Dunkeln erschwert wird.
Problematisch ist auch das in manchen Schmerzmitteln enthaltene Koffein: Es muntert zunächst auf, kann dann aber zu plötzlicher Ermüdung führen.
Schlafmittel
Starke Schlafmittel sind oft auch am nächsten Tag noch wirksam. Wenn
Sie also morgens Auto fahren müssen, sollten Sie die Tabletten auf
keinen Fall erst spät in der Nacht einnehmen oder gar noch einmal
nachdosieren.
Erkältungsmittel
Medikamente, die den Hustenreiz blockieren (Hustenblocker), haben oft einen dämpfenden Einfluss auf das zentrale Nervensystem. Bei derartigen Präparaten - selbst bei rezeptfreien - muss man mit einer
Beeinträchtigung des Fahrvermögens rechnen.
Psychopharmaka
Bei der Einnahme von Psychopharmaka ist vor allem in den ersten
10-15 Tagen die Wirkung auf die Psyche besonders stark. Vom Autofahren
sollte in dieser Zeit abgesehen werden.
Stimulanzien
Aufputschmittel können Unruhe und starke Erregbarkeit bewirken.
Die besondere Gefahr dabei ist, dass die aufputschende Wirkung nach einiger Zeit durch Müdigkeit abgelöst werden kann und man dann - womöglich am Steuer! - einschläft.
Derartige Substanzen sind übrigens auch in einigen Schlankheitspillen (so genannten Appetitzüglern) enthalten !
Muskelverspannungsmittel
Einige Medikamente gegen Muskelverspannungen enthalten Substanzen, die beruhigend wirken und dadurch ebenfalls das Reaktionsvermögen beeinträchtigen können.
Augenerkrankungsmittel
Eine ganz oft ersichtliche Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit
bewirken einige Präparate gegen Augenkrankheiten. Sie können die
Sehleistung so stark herabsetzen, dass man sich auf keinen Fall ans
Steuer setzen sollte.
Zusammenfassung
- Die folgende Tabelle enthält eine Übersicht der einzelnen
Arzneimittelgruppen und gibt die auf den Straßenverkehr bezogenen
Risikofaktoren pro Arzneimittelgruppe an.
Die Bewertung der
Risikofaktoren geht von 1 (keine Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit)
bis 4 (starke Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit).
| Beruhigungsmittel (Benzodiazepine) |
3,5 |
| Dämpfende Psychopharmaka (Neuroleptika) |
2,9 |
| Herz-Kreislauf-Mittel |
2,8 |
| Antiallergika |
2,6 |
| Antidepressiva |
2,6 |
| Aufputschmittel (Stimulanzien) |
2,5 |
| Starke Schmerzmittel |
2,5 |
| Normale Schmerzmittel |
2,5 |
| Bluthochdruckmittel (Beta-Blocker) |
1,3 |
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(Quelle: TÜV Rheinland)
- Da Präparate sehr unterschiedlich wirken, empfiehlt es sich, in der Apotheke nach möglichen Beeinträchtigungen der Verkehrstüchtigkeit zu fragen. Gegebenenfalls erhalten Sie - nach Rücksprache mit Ihrem Arzt - ein Alternativpräparat.
Denn wenn es zum Unfall kommt, sind Sie der Leidtragende. Sobald sich
nämlich nachweisen lässt, dass der Einfluss von Medikamenten zum Unfall
geführt hat, erlischt jeglicher Versicherungsschutz.
- Bei der Einnahme von Medikamenten sollten Sie grundsätzlich auf Alkohol verzichten.
Alkohol kann - auch in geringen Mengen - die Wirkungen oder Nebenwirkungen der Arzneimittel erheblich verstärken.
- Im Gegensatz zum Alkohol ist die "Abbauzeit" von Medikamenten nicht kalkulierbar.
Tests haben gezeigt, dass es nach der Einnahme oft Tage bzw. sogar
Monate dauern kann, bis die körperliche und geistige Fitness zur
sicheren Teilnahme am Straßenverkehr wiederhergestellt ist.
Medikamentenkonsum bei Jugendlichen
Das „Centre de prévention des toxicomanies“ des Gesundheitsministeriums
hat zusammen mit den Krankenkassen eine Studie durchgeführt und
folgende Resultate bekannt gegeben.
Im Jahr 1998 wurden 163.882 Packungen Antidepressiva, im Wert von 3,87
Millionen €, in Luxemburg verschrieben. 1999 waren es 170.525 Packungen
(4,39 Miollionen €) und im darauf folgenden Jahr 175.447 Packungen
(4,84 Millionen €).
Um den Medikamentenkonsum von Jugendlichen genauer festzustellen,
beleuchtete das Suchtpräventions-zentrum die Informationen, die aus
verschiedenen Studien hervorgingen, die von 1996 bis 2000 bei
Luxemburger Gemeinden und postprimären Schulen des Landes durchgeführt
wurden.
Aus diesen Studien ging hervor, dass
-
4,4 % der 12- bis 16-Jährigen häufig Schmerzmittel einnehmen
- 12 % der 17- bis 25-Jährigen
- 6 % der 12- bis 16-Jährigen schon Erfahrungen mit Beruhigungsmitteln gemacht haben
-
10 % der 17- bis 25-Jährigen
-
2 % der 12- bis 16-Jährigen schon Erfahrungen mit Schlafmitteln gemacht haben
-
3 % der 17- bis 25-Jährigen
- 5 % der 12- bis 16-Jährigen schon Erfahrungen mit Aufputschmitteln und Amphetaminen machten
-
9 % der 17- bis 25-Jährigen
Lehrerunterlagen
Die vorliegende „Fiche pédagogique“ ist Teil eines Programms, welches
das Fahren unter Betäubungsmitteln und seine möglichen Konsequenzenfächerübergreifend
behandelt.Es wird vorgeschlagen folgende Reihenfolge einzuhalten und
mit den zuständigen Lehrern abzusprechen.
Literaturverzeichnis
Zur Erstellung der vorliegenden „Fiche pédagogique“ wurden folgende Unterlagen herangezogen:
-
Fleech Joachim, Drogen und Medikamente im Straßenverkehr, Faktensammlung
Deutscher Verkehrssicherheitsrat e.V., Bonn, 2002
- Ministerium für Wirtschaft, Technologie und Verkehr des Landes
Schleswig-Holstein, Alles klar? ! Grafik + Druck GmbH + Co KG, Kiel,
2000
- Wagener Yolande, Petry Pascale, Das Wohlbefinden der Jugendlichen in Luxemburg
Ministère de la Santé et Ministère de l’Education nationale, de la Formation Professionnelle et des Sports, Luxemburg, 2002
- Internetadressen: